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TV-Werbung: Visual interruptus in Superzeitlupe

Immer öfter läuft mir zur Zeit ein bestimmtes Phänomen über die Mattscheibe, das ich in der Überschrift grammatikalisch völlig unkorrekt als Visual interruptus bezeichnet habe: ein Trailer für ein Produkt, eine Marke oder einen Sender stellt eine typische Situation einer Sportart in Superzeitlupe dar. Doch bevor die Situation zu einem befriedigenden Abschluss kommt, wird ausgeblendet – zurück bleibt ein unbefriedigendes Gefühl.

Ich liebe die neuen oder mittlerweile nicht mehr ganz neuen Eurosport Visuals wie dieses hier: Eurosport Visual Basketball

So wie das hier dargestellt ist, ist das auch sehr schön. Im Fernsehen geht dieses Visual aber meistens nur bis Sekunde 14: der Basketballer fängt den Ball aus der Luft, setzt zum Dunking an und….. ja nix und, es kommt Werbung oder ne Vorschau. Dabei hat man sich doch innerlich schon so darauf gefreut, dass der Kerle den Ball rein macht.

Und das ist kein Einzelfall. Bei der Servus Hockey Night auf Servus TV hatten sie ein herrliches Visual von einem Bodycheck in Superzeitlupe. Aber kurz bevor der gecheckte Spieler auf dem Boden aufschlägt und man genüsslich sehen könnte wie seine Gesichtszüge entgleiten: nix. Ende. Werbung. Was anderes…

Nicht ganz so martialisch, aber das selbe Prinzip begegnete mir heute mehrmals während der Übertragung der Championsleague. Ford sponsort das Ganze und zeigt dies mit einer Fussballszene: ein Spieler schießt aus kürzester Distanz, der Torwart fliegt zum Ball. Alles natürlich wieder in Superzeitlupe. Es ist völlig klar, dass der Torhüter den Ball hält, aber Milisekunden bevor der Ball die Arme des Torwarts mit einem befriedigenden Klatschen erreicht, ist Schluss.

Irgendwer scheint sich da was dabei gedacht zu haben. Irgendeine Strategie scheint dahinterzustecken. Ehrlich gesagt: ne Scheißstrategie. Ich fühle mit verarscht und unbefriedigt zurückgelassen. Oh ja, das AIDA-Marketing-Prinzip lässt grüßen. Interest und desire. Interesse auslösen scheint bei mir ja geklappt zu haben. Aber das mit dem Besitzwunsch haben sie sich damit ein für alle mal verbaut. Ford war mit früher eher wurscht. Da mir Automarken auch nicht so wichtig sind, hätte ich gut damit leben können einen Ford zu fahren. Jetzt mag ich Ford nicht mehr und werde mit Absicht keinen mehr kaufen, weil ich kein Auto fahren will, dass beim Beschleunigen kurz vor dem lustvollen Hochschalten in den dritten Gang den Motor abstellt. Und auch die NHL war die letzten Wochen spannender als österreichische Eishockey-Playoffs. Nein, natürlich nicht allein wegen der Visuals. Aber einen Teil dazu beigetragen hat es dann doch. Also bitte, bitte, zeigt Eure Visuals wieder mit den entscheidenden Momenten am Schluss.

 

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