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Warum ich (auch) die Bild-Zeitung lese

Naja gut, die Überschrift stimmt nicht ganz. Ich lese überhaupt keine Zeitung, zumindest nicht im herkömmlichen Sinn, sondern tummle mich lediglich auf den diversen Internet-Angeboten der Printmedien. Und da immer häufiger auf dem der Bildzeitung. Anfangs hat mich das selbst erschreckt. Ja, ich gehörte einst selbst zu den selbsternannten Gegnern der Verdummung der deutschen Gesellschaft, vornehmlich betrieben von RTL2,  Casting-Shows und der Bild-Zeitung, und bin demonstrativ mit Stern und FAZ bewaffnet in der Arbeit eingelaufen. Irgendwie gehöre ich auch immer noch dazu. Aber mein Blick auf die Dinge hat sich doch einigermaßen radikal geändert.

Ich finde immer noch, dass die Bild viel Mist erzählt. Aber je länger ich mit Medien auch beruflich zu tun habe, desto mehr bin ich dahinter gekommen, dass es bei den sog. “renommierten” Medien auch nicht viel anders ist – nur fällt man bei denen auf das intellektuelle Image herein. Mit neutraler Berichterstattung hat das zum ganz großen Teil auch einfach nichts (mehr) zu tun. Alles ist Meinungsmache. Im Grunde fühle ich mich von allen Zeitungen verarscht. Und das führt zu einem erstaunlichen Phänomen: ich finde die Bild-Zeitung irgendwie ehrlicher. Jaaa, ich weiß, das ist sie nicht und sie erzählt vermutlich auch viel mehr Mist als die meisten anderen Zeitunge. Aber sie betreibt ihre Meinungsmache relativ unverhohlen und deswegen durchschaubar. In meinem Hirn wird das sofort als Meinung und nicht als Nachricht oder neutrale Berichterstattung aufgenommen und das ist für mich irgendwie ok.

Ich habe mir so gut es geht angewöhnt  möglichst viele unterschiedliche Meinungen einzuholen und mir daraus eine eigene zu bilden und nicht wie früher blind den intellektuellen Leitbildern aus dem Streiflicht der SZ hinterherzulaufen. Und zu diesen vielen Meinungen gehört auch die Meinung der Bildzeitung. Dass ich mich meistens dagegen entscheide, steht auf einem anderen Blatt. Aber ich möchte die Meinung erst mal kennen, gegen die ich mich dann entscheide.

Darüber hinaus muss man der Bild tatsächlich einiges zugestehen: erstens sind sie verdammt schnell. Aktuelle (und für die Bild als wichtig erachtete) Meldungen bringen sie einfach eine Ecke früher als andere. Aber der absolute Top-Vorteil der Bild: man kann überall und bei allem mitreden. Einmal pro Tag für 3-5 Minuten das mobile Angebot der Bildzeitung überfliegen reicht vollkommen aus, um mit männlichen Kollegen oder Kunden über Sport zu reden (Köln hat den Solbacken gefeuert und der Schumacher war schnellster im freien Training), mit dem netten Kerl aus der IT-Abteilung die besten Google Chrome-Erweiterungen zu erörtern und beim Gespräch der eigenen Ehefrau mit einer Freundin über Germanys next Topmodel den ein oder andere intelligenteren Kommentar einwerfen zu können. Diesen Überblick in der kürze Zeit bietet mir keine andere Zeitung oder sonst irgendein Medium.

Das Problem bei dieser Herangehensweise ist im Prinzip nicht so sehr die Meinungsmache der Bild, als viel mehr die Themenvorgabe. Und da muss ich schon ein bisschen aufpassen, gerade wenn nicht viel Zeit bleibt, dass ich mich nicht nur mit den Themen der Bild zufrieden gebe.

Oh ja, das hier ist sowas von eine persönliche Meinung und Vorgehensweise und keinesfalls für jeden zu empfehlen. Und ich denke schon, dass sich die Art und Weise wie ich mit Neuigkeiten umgehe in Zukunft noch den einen oder anderen radikalen Richtungswechsel erfahren wird. Was ich gefährlich finde ist blind einer Meinung hinterher zu rennen. Das gilt für die Bild genauso wie für die FAZ, SZ, Spiegel, Stern oder die Tagesthemen.

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