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Kunst-Tage Trudering – zwischen Überfluss und Langeweile

Karfreitag habe ich mich aufgerafft und bin die paar Meter rüber zu den Truderinger Kunst-Tagen marschiert. Ok, war gelogen. Meine Frau wollte hin, hat mich mitgezogen. Und wir sind nicht marschiert, sondern mit dem Fahrrad gefahren. Aber da war ich. Wer die Truderinger Kunsttage nicht kennt – macht nichts. Wer Trudering nicht kennt – macht auch nichts. Aber für mich war’s recht nett.

Ich hab nach wie vor ein etwas ambivalentes Verhältnis zur Kunst, gerade zur bildenden Kunst. Auf der einen Seite gibt es wenig, was mich dauerhaft so sehr anspricht und in seinen Bann zieht wie ein aussagekräftiges Kunstwerk. Auf der anderen Seite gibt es so viel überflüssigen Mist, der dann auch noch mit Steuergeldern gefördert wird. Insofern waren die Truderinger Kunsttage ein hervorragender Querschnitt. Von langweiligen, uninspirierten Zeichnungen bis zum faszinierenden und provozierenden Gemälde war alles dabei.

Bei den Künstlern war es übrigens ebenso. Die saßen ja immer mit dabei bei Ihren Werken. Eine schöne Sache wie ich finde, wenn man die einfach so anquatschen kann. Und auch hier kam so einiges erstaunliches zu Tage. Auf der einen Seite eine Künstlerin mittleren Alters, die sich fürchterlich über die Piraten-Partei aufgeregt hat und was die im Internet veranstalten wollen, mich dann aber 2 Sätze später fragt: “Was ist eigentlich ein Blog?” (nicht dass ich jetzt alles was die Piraten so von sich geben unheimlich toll finde, aber bevor ich mich mit meiner negativen Meinung so weit aus dem Fenster lehne, sollte man sich wenigstens ein wenig informiert haben. Und dafür hätte ja selbst die Bildzeitung gereicht). Demgegenüber stand eine junge Künstlerin, einer unglaublich lässige Socke aus Berlin mit Ihrem Kumpel/Agenten/Bierhalter/keine Ahnung. Mt den beiden hat man sich unglaublich lustig unterhalten können. Es war eine Freude.

Erstaunlicherweise waren es diese beiden völlig gegensätzlichen Charaktere, die die beeindruckensten Bilder gemacht haben. Die Berlinerin - Justine Otto mit Namen - war aber meine klare Favoritin.

Richtig langweilig gab es aber auch zu sehen. Sowohl bei Künstlern wie auch ihren Werken. Und die Langweiler waren fast ausschließlich Männer. Keine Ahnung warum das da so war. Da sitzt der Künstler in der Ecke, schaut kurz auf wenn man den Raum betritt mit einem Blick in den Augen, der einem unmissverständlich zu verstehen gibt: “Sprich mich nicht an. Kauf was, leg das Geld da hin, aber lass mich in Ruhe.” Wäre ja an sich auch ok, wenn seine Schaffenskraft allein überzeugen kann. Und dann steht man vor der Zeichnung (sollte wohl realistisch sein) einer Bahnweiche mit dem phantastisch kreativen Namen “Scheideweg”, unterdrückt den ersten Fluchtreflex, schlendert doch noch weiter (vielleicht hat er ja doch noch nen Knaller irgendwo versteckt), nur um dann enttäuscht festzustellen: die Zeichnung hatte recht, die Abzweigung in diesen Raum hätte ich besser nicht genommen.

Es gab dort übrigens auch einen Raum mit einer Ausstellung der Jury-Mitglieder dieser Veranstaltung. An dieser Stelle sollte ich jedoch einhalten, weil sonst wird dieser Artikel doch einfach zu negativ. Und das würde dieser Veranstaltung einfach nicht gerecht werden. Es gab eine Menge zu sehen, viel Tolles und viel Mist, man konnte sich super unterhalten – oder eben auch nicht. Eine irgendwie gelungene Mischung also, diese Truderinger Kunsttage.

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